13.01.2007
Ressort: KÖKU
Gedichte werden zu Musik
Helios Ensemble in Alter Feuerwache

von RAOUL MÖRCHEN

Bei so einer Besetzung muss man sich schon etwas einfallen lassen. Für die Kombination Klavier, Cello, Trompete und Stimme haben schließlich nicht viele Komponisten Werke geschrieben. Bei der Verleihung der städtischen Förderstipendien 2005 hatte die Pianistin Susanne Blumenthal eine Idee: Warum nicht den prämierten Musiker Niels Klein und seine Freunde fragen, ob sie Texte des Literaturpreisträgers Adrian Kasnitz vertonen wollen - und zwar maßgeschneidert für die Besetzung ihres Helios-Ensembles?

Jetzt stellten Susanne Blumenthal, die Sopranistin Désirée Brodka, die Trompeterin Susanne Schaab und die Cellistin Rita Kürtös in der Alten Feuerwache vor, was aus dem Einfall geworden ist: ein abendfüllender Liederzyklus.

Nervöse Spannung für ruhige Lyrik

Dass die eingeladenen Komponisten - neben Klein noch Nils Tegen, Sebastian Gramss, Theodor Pauß, Frank Wingold und Raphael Thöne - ihre Wurzeln in der improvisierten Musik und im Jazz haben, verrieten die meisten der insgesamt 14 Vertonungen.

Während Kasnitz´ klare und ruhige Lyrik oft nur einen einzigen Augenblick fokussiert, bringt nun die Musik eine nervöse Spannung und Aufgeregtheit mit ins Spiel. Rasche Stimmungsumschwünge, Figurenreichtum und eine kontraststarke Dynamik huldigen dem Augenblick und der Möglichkeit spontanen Ausdrucks - und verlieren dabei den Eigenwert von Kasnitz´ Gedichten vor lauter Beschäftigungsdrang ein ums andere Mal aus den Augen.

Hin und wieder aber gelingt auch der Schulterschluss zwischen Musik und Wort - am besten wohl Theodor Pauß. Kasnitz´ "Ins Lesebuch..." bekommt er mit einem durchgängigen rhythmischen Modell sicher zu fassen, um dann auf dieser Basis das Ensemble ohne Hektik frei zu bewegen.